Das Versorgungswerk

Was der Unterschied zwischen dem Versorgungswerk und anderen Formen der Altersvorsorge ist

Generell gilt beim Versorgungswerk der Architektenkammer Baden-Württemberg, dass die eingezahlten Beiträge zu 100 % unter Berücksichtigung des Verwaltungskostensatzes Ihrem Konto gutgeschrieben und versicherungsmathematisch verrentet werden. Da unser Versorgungswerk zu 100 % kapitalgedeckt finanziert ist, kommen die von Ihnen einbezahlten Beiträge auch nur Ihrem Rentenanspruch zu Gute. Ein reiner Generationenvertrag besteht also nicht. Das Prinzip des Versichertenkollektives liegt jedoch einem kapitalgedeckten System zu Grunde.

In der versicherungsmathematischen Berechnung wird mit einem gesetzlich vorgegebenen Rechnungszins in Höhe von derzeit 4 % kalkuliert. Hinsichtlich der Vermögensanlagepolitik bedient sich das Versorgungswerk analog zu den großen Versicherungen des versicherungsaufsichtsrechtlich zur Verfügung stehenden Kapitalmarktspektrums. Erwirtschaftete Zusatzerträge kommen den Teilnehmern am Versorgungswerk zu Gute, sind jedoch durch die jeweils herrschende Kapitalmarktsituation bestimmt und deshalb nicht garantiert.

Niedrigere Verwaltungskosten, keine Abschlusskosten, keine Aktionärs-Ansprüche
Im Unterschied zu den Lebensversicherern zeichnen wir uns durch deutlich niedrigere Verwaltungskosten aus, da wir bspw. keine Abschlusskosten in Form eines teuren Außendienstes bezahlen müssen. Die tatsächlichen Verwaltungskosten betrugen im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp 1,7 % der Beitragseinnahmen (kalkulatorische Annahme: 5%). Die Architektenkammer ist eine vom Versorgungswerk unabhängige Einrichtung, die ein anderes Aufgabenspektrum abdeckt und somit eigene Beiträge erhebt. Das Versorgungswerk ist als ein teilrechtsfähiges Sondervermögen mit eigenen Organen zu betrachten und finanziert sich selbst. Da das Versorgungswerk neben den Versicherten keine weitere Anspruchsgruppe in Form von Aktionären zu bedienen hat, die am Versorgungswerk verdienen möchten, kommt die gesamte Leistungskraft ausschließlich unseren Teilnehmern zu Gute.

Eigenständige Versorgungseinrichtung
Das Versorgungswerk der Architekten ist selbstverständlich eine eigenständige berufsständische Versorgungseinrichtung und „läuft“ demnach nicht über eine andere Versicherungsgesellschaft. Anderenfalls würde die Architektenkammer Gruppenverträge mit Versicherungsgesellschaften aushandeln. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Vergleichbarkeit
Ein Vergleich des Versorgungswerks mit anderen Anlagefazilitäten ist jedoch nicht ohne weiteres möglich. Von der gesetzlichen Rentenversicherung bei der Deutschen Rentenversicherung unterscheidet uns bspw. das völlig zum dortigen Finanzierungssystem konträre Finanzierungsverfahren der reinen Kapitaldeckung. Dies macht das Versorgungswerk eher mit Kapitallebensversicherern vergleichbar, mit dem Unterschied, dass dort entschieden höhere Verwaltungskosten kalkuliert werden und die Aktionäre als weitere Anspruchsgruppe über die Dividendenrendite verdienen möchten. Dies geht natürlich zu Lasten der Versicherten.

Achtung: Bauernfänger
Wir stellen immer wieder fest, dass Versicherungsvertreter oder sog. „Vermögensberater“ auch in der Architektenschaft auf Kundenfang gehen. Mit irreführenden Argumentationen werden „zusätzliche“ Vorsorgemaßnahmen, z.B. Lebensversicherungen oder Fondsprodukte etc., verkauft. Meistens werden Berechnungsbeispiele generiert, die beweisen sollen, dass Beiträge an das Versorgungswerk in anderen Sparformen eine höhere Rendite erwirtschaften. Diese Vergleiche sind jedoch immer „Äpfel-mit-Birnen-Vergleiche“, die jeder Grundlage entbehren und dies auch erst recht im Bereich der Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit.

Andere Geschäftsinteressen stehen im Vordergrund
Wir treten gerne den Gegenbeweis an: Hier stehen Geschäftsinteressen im Vordergrund, die beim Versorgungswerk nicht bestehen. Dies vor allem deshalb, da ein kapitalgedecktes System durch das individuelle Äquivalenzprinzip keinen Generationenvertrag im eigentlichen Sinne kennt. Dieser lässt sich in kapitalgedeckten Systemen lediglich im Bereich betriebswirtschaftlicher Synergieeffekte konstatieren. Diese Synergieeffekte bilden sich auf mehreren Ebenen. Beispielhaft seien die höheren Renditen in der Vermögensanlage oder niedrigere Verwaltungskosten genannt. Nur in diesem Bereich ist kontinuierlicher Zustrom von jungen beitragszahlenden Architekten nötig. In umlagefinanzierten Systemen bestimmt der Umfang der Beitragszahlungen unmittelbar das Leistungsniveau (biometrisches Risiko), in kapitalgedeckten Systemen die Parameter des Asset-Liability-Managements (z.B. den Anlagehorizont der Vermögensanlagen).

Finanzierungssystem ist nicht gleich Finanzierungssystem
Die Leistungsniveaus und die Risikostrukturen der Versorgungswerke sind untereinander nicht immer vergleichbar. Dies sollte man wissen und bei Analysen immer nach der zu Grunde liegenden Finanzierungssystematik fragen. Nur wenn diese Fakten bekannt sind kann individuell über einen weiteren privaten Vorsorgebedarf bzgl. irgendeiner Form der Kapitaldeckung entschieden werden. Richtig ist auch, dass die (Teil-)Umlage finanzierten Versorgungswerke in Zukunft direkt die Auswirkungen einer „ungünstigeren“ Alterstruktur erfahren werden, während Kapitalgedeckte diesen demografischen Effekt etwas indirekter spüren werden (z.B. die Vermögensverwaltung und das Risikomanagement erfordern dann andere Managementmethoden). Um diesen Effekt abzumildern haben die Mischsysteme den kapitalgedeckten Anteil stetig ausgebaut (vergleichbar dem Vorhaben der Regierungskoalition im Rahmen der sog. „Riester-Rente“ in der gesetzlichen Rentenversicherung). Ob man daraus auf bessere Leistungen in der Zukunft schließen kann, ist kaum einschätzbar.

Keine Aktionäre, kein Außendienst
Die kapitalgedeckten Versorgungswerke unterliegen zwar nur indirekt der demografischen Entwicklung, dafür sind sie direkt von den Entwicklungen an den Kapitalmärkten betroffen. Gesetzlich sind Versicherungen allgemein verpflichtet, mindestens 70 Prozent Ihres Vermögens in Rentenpapieren anzulegen, dies bedeutet, dass das Leistungsniveau stark mit der Entwicklung der Kapitalmarktzinsen korreliert ist. Dies betrifft jedoch alle Finanzmarktprodukte (auch diejenigen, die von MLP vertrieben werden), von der Lebensversicherung angefangen, bis zum Fondssparplan: alles eine Frage der Risikotoleranz. Ein berufsständisches Versorgungswerk, egal ob umlagefinanziert oder kapitalgedeckt, wird jedoch nicht zum Selbstzweck errichtet, besitzt keine Aktionäre als zweite Anspruchsgruppe an den erwirtschafteten Erfolg und keine teuren Außendienste oder Handelsvertreter bzw. Makler und Vermögensberater (z.B. MLP, AWD , DVAG etc.).

Satzung informiert
In der Unterscheidung der einzelnen Versorgungswerke gibt es sicherlich auch „Feinheiten“ die in der jeweiligen Satzung der Versorgungswerke begründet liegen und bei individuellen Entscheidungen zu berücksichtigen sind, um ein möglichst umfassendes Gesamtbild zu erhalten. Bei Versorgungswerken stehen diese Feinheiten in der Satzung, bei Versicherungsunternehmen (häufig) im Kleingedruckten. Im Downloadcenter steht Ihnen unsere Satzung zur Verfügung.

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